In unserem aktuellen ANKÖ-Interview spricht Dipl.-Ing. Monika Ilg, Geschäftsführerin der ib-data GmbH (Softwarehersteller der ABK-Software) über die Integration von BIM im AVA-Prozess und die Implementierung der ÖNORM A 2063 in Softwarelösungen.

Building Information Modeling (BIM) hat sich für die Digitalisierung von Bauprozessen in der Planungsphase bereits etabliert. Wie sieht es im AVA-Bereich aus? Bieten Sie hier bereits Lösungen an?

Dipl.-Ing. Monika Ilg: Viele nutzen BIM schon auf die eine oder andere Art in der Projektabwicklung. Im AVA-Bereich muss ein durchgängiger Datenfluss vom Gebäudemodell bis zur Ausführung sichergestellt werden. Der Weg von modellierten Elementen in mehreren Autorensoftwares zu den entsprechenden LV-Positionen gestaltet sich jedoch oftmals schwierig und muss möglichst effizient beschritten werden. Genau hier setzen wir mit unserer ABK-BIM-Software an.

Unsere Lösung basiert auf der OpenBIM-Methode. Standardisierte Schnittstellen wie IFC im CAD-Bereich und die Schnittstelle ÖNORM A 2063 im AVA-Bereich spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen vielen Softwareprodukten unterschiedlicher Fachplaner:innen, die für sie wesentlichen Daten auszutauschen und somit die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit zu gewährleisten. ABK steht schon lange zu dem klaren Bekenntnis, softwareneutrale Standards zu unterstützen, so nun auch bei der Planungsmethode BIM für den AVA-Prozess.

Wie sieht denn konkret Ihre BIM-Lösung aus?

Ilg: Uns war es von Beginn an wichtig, auf bestehende und gut funktionierende Prozesse und Methoden aufzubauen. Wir wissen, dass sich Prozessveränderungen, wie zum Beispiel die Umsetzung der Methode BIM, nur sehr langsam in einem Unternehmen etablieren. Wenn man dabei auf bewährte Routinen zurückgreift und diese integriert, kann man Anwender:innen den Umstellungsprozess erleichtern.

Der Ablauf sollte einerseits weitgehend der bisherigen Arbeitsweise entsprechen und andererseits eine unabhängige Bearbeitung der Daten zulassen. Aus unserer Sicht hat sich etwa die Elementmethode im Bereich des Kostenmanagements bewährt, um von modellierten Bauelementen zu den entsprechenden LV-Positionen zu gelangen. Diesen Workflow haben wir für den Bereich AVA genutzt und adaptiert: Das Gebäudemodell wird in einer CAD-Software erstellt und anschließend als IFC-Datei ausgegeben. Die darin enthaltenen BIM-Elemente werden hinsichtlich der Attribute und der geometrischen Daten auf Vollständigkeit und auf ihre Richtigkeit überprüft.

Die Ausschreiberin oder der Ausschreiber erhält diese geprüfte IFC-Datei und weist den BIM-Elementen die AVA-Elemente zu. Die Positionsmengen werden durch die geometrischen Daten des Gebäudemodells ermittelt, fehlende Informationen werden bei Bedarf ergänzt. Die Übernahme von AVA-Elementen aus Elementkatalogen kann dabei effizient unterstützen. Mittels dieser Elementkataloge und frei zusammengesetzten Elementen entwickelt sich eine vollständige Projektelementliste, die alle benötigten Informationen für die Erstellung eines Leistungsverzeichnisses enthält.

Wo sehen Sie die Herausforderungen bei der Integration von BIM in den AVA-Prozess?

Ilg: Informationen aus dem CAD-Modell direkt zu übernehmen und für die Ausschreibung zu verwenden, wird noch viel zu wenig genutzt. Das liegt oft an der fehlenden Standardisierung, denn ohne Standardisierung wird der Ablauf aufwendig.

Abgestimmte Einstellungen beim Modellieren, damit Informationen für den AVA-Prozess verwendet werden können, fehlen oder werden oft zu spät festgelegt. Unsere Kompetenz liegt darin, diese notwendigen Informationen in einem Elementkatalog zu sammeln und im ÖNORM-Datenformat bereitzustellen. Wir begleiten unsere Kund:innen auch gerne bei ihren Projekten und bieten individuelle Projektunterstützung an.

Welche Rolle spielt die ÖNORM A 2063 in diesen Bereichen und wie weit ist die Implementierung dieser in Ihren Softwarelösungen vorangeschritten?

Ilg: Mit der ÖNORM A 2063:2021 wurde nun eine erste OpenBIM-Lösung geschaffen, die den offenen und softwareneutralen Austausch von Daten für den AVA-Prozess mit der BIM-Methode ermöglicht. Ich sehe darin eine riesige Chance, die Überführung der Planung in den Ausführungsprozess effizienter zu gestalten. Sie schließt die Lücke für OpenBIM im Bereich AVA und unterstützt alle beteiligten Akteur:innen.

Damit eine automatisierte Zuordnung von IFC-Elementen zu den entsprechenden AVA-Elementen gelingen kann, müssen Datenstrukturen, Datenformate und einige Dateninhalte in den unterschiedlichen Softwareanwendungen einheitlich sein. Diese Standards wurden im zweiten Teil dieser ÖNORM definiert.

Wir arbeiten bereits mit Hochdruck an der Umsetzung dieses zweiten Teils, der ÖNORM A 2063-2:2021. Mit diesen neuen Funktionen wird erstmals normkonformes OpenBIM für AVA möglich sein. Für die Anwender:innen stellt dies eine große Arbeitserleichterung dar. Sie müssen zukünftig nicht mehr so viele projektspezifische Einstellungen vornehmen. Arbeitsweisen können (fast) automatisiert für mehrere Projekte übernommen werden. Voraussetzung dafür sind aber gute, standardisierte Elementkataloge, denn eindeutige, vordefinierte Daten sind nun mal für unternehmensübergreifende, automatisierte Prozesse notwendig.

Frau Dipl.-Ing. Monika Ilg, vielen Dank für das Gespräch!

Weiterführende Informationen:

Das zugehörige Video-Tutorial zur ANKÖ-ABK Schnittstelle finden Sie hier.

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