Dieser Erfolg kann sich sehen lassen: Bereits eine Woche nach Erscheinen des Buches „Das Digital“ wurde es in Österreich zum wichtigsten Wissenschaftsbuches des Jahres nominiert. Die beiden Autoren – der österreichische Big-Data-Experte und Oxford Professor Dr. Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Ramge, Sachbuchautor und Korrespondent bei Brand Eins und The Economist – stellen sich dabei die Frage, wie mit Daten Wohlstand für alle geschaffen werden kann.

30.11.2017

Dieser Erfolg kann sich sehen lassen: Bereits eine Woche nach Erscheinen des Buches „Das Digital“ wurde es in Österreich zum wichtigsten Wissenschaftsbuches des Jahres nominiert. Die beiden Autoren – der österreichische Big-Data-Experte und Oxford Professor Dr. Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Ramge, Sachbuchautor und Korrespondent bei Brand Eins und The Economist – stellen sich dabei die Frage, wie mit Daten Wohlstand für alle geschaffen werden kann.

Mit dem ANKÖ sprach Thomas Ramge über Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Aktuell sind hier die Potenziale am größten. Mit Blick auf eine gute Nutzbarkeit von Services können auch öffentliche Stellen viel gewinnen. Stärker als in der Privatwirtschaft bedarf es aber dem Willen zur Veränderung. Werden neue Services eingesetzt, bringt das enorme Effizienzgewinne – wie sich in der Vergabe längst gezeigt hat.

 

ANKÖ: Nun ist also die Verwaltung an der Reihe. Nach vielen anderen Branchen werde die Digitalisierung nun die öffentliche Verwaltung umkrempeln, aber gerade dieser Bereich setze sich am stärksten zur Wehr. So werden Sie im Rahmen der Berichterstattung Ihres Buches „Das Digital“ zitiert. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Thomas Ramge: In der öffentlichen Verwaltung gibt es in der Tat sehr viel Potenzial für die Digitalisierung von Prozessen. Im Grunde sind viele Tätigkeiten hoch standardisiert, Prozesse laufen immer gleich ab. Genau diese Routineabläufe könnte man automatisiert ablaufen lassen. Zumindest theoretisch. Es gibt aber gerade hier große Widerstände. Die Verwaltung ist in punkto Digitalisierung selten Vorreiter. Bei uns in Berlin müssen Richter noch Koffer voll Akten bewegen und bei Bedarf diese Akten wortwörtlich durchblättern. Die Inhalte wurden nicht digitalisiert und sind somit natürlich nicht nach Stichworten durchsuchbar.

 

Woran liegt diese Zurückhaltung?

Es gibt keinen Wettbewerbsdruck. Überall anders, wo ein Markt existiert, müssen sich Wettbewerber voneinander abheben. So ein Umfeld bringt aktive Entscheidungen, oft auch gegen massive Widerstände. In der Verwaltung kommt Veränderungsdruck allerhöchstens auf, wenn Bürger unzufrieden sind. Hier wird die Frage nach Arbeitskräften interessant: Automatisiert man die Routine, bleibt mehr Zeit und Ressourcen für konkrete Bürger-Anfragen. Die Verwaltung muss also verstehen, dass es dabei um Dienstleistung geht. Werden die internen Abläufe verbessert, kann diese neugewonnene Zeit für eine bessere Qualität verwendet werden.

 

Aber natürlich bringt die Digitalisierung oft ganz klare Effizienzsteigerungen.

Hoffentlich führt die Digitalisierung dazu, dass Abläufe effizienter und transparenter werden. Die große Chance besteht darin, dass bessere Entscheidungen getroffen werden können, wenn Daten im Spiel sind. Es gibt aber auch hier Licht und Schatten. Effizienzsteigerung gibt es nur, wenn die Nutzerfreundlichkeit gesichert ist und Systeme nicht verkompliziert werden. Die Digitalisierung darf hier nicht der Selbstzweck sein, sondern muss immer vom Anwender her gedacht werden. Gerade in der Verwaltung sind deswegen bereits einige Projekte gescheitert.

 

Heißt das, die öffentliche Hand sollte nicht selbst entwickeln?

Grundsätzlich ja. Jeder glaubt ein eigenes System entwickeln zu müssen, dass ganz genau den Anforderungen entspricht. Das ist Unsinn. Mit gutem Recht sollten teils standardisierte Systeme verwendet werden.

 

In Punkto Innovation hat – neben den vielen Gemeinden und Organisationen, die bereits die e-Vergabe nutzen – zuletzt die oberösterreichische Gemeinde Kremsmünster auf sich aufmerksam gemacht: Als erste österreichische Kommune verwendet der Ort Amazons Sprachsteuerung Alexa für das Bürgerserivce. Ist das eine gute Idee, oder Werbegag?

Klar ist es auch eine gute Werbung, im Kern geht es aber darum, neue Kommunikationstechniken zu nutzen. Die Schnittstellen verändern sich. Wir werden bald Computern Fragen stellen. Wenn dies für den Nutzer Erleichterungen bringt, dann ist es sicher die richtige Haltung, es auch umzusetzen. Die Frage ist hier wieder: Bin ich ein Dienstleister und muss ich dafür Sorge tragen, dass Kunden auch bekommen, was sie wollen? Wenn eine Gemeinde das schafft, finde ich es beeindruckend. 

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