Für Unternehmen aus dem Baunebengewerbe ist die öffentliche Beschaffung ein wichtiger Faktor, sagen Bundesinnungsmeisterin LIM, Bmst. Ing. Irene Wedl-Kogler und Bundesinnungsmeister-Stv. Komm.Rat Ernst Zimmermann im Gespräch mit ANKÖ Geschäftsführer Dr. Alfred Jöchlinger. Dabei wünschen sich die Unternehmen aber mehr direkte Vergaben und eine höhere Transparenz bei den Auftraggebern.

28.09.2017

Für Unternehmen aus dem Baunebengewerbe ist die öffentliche Beschaffung ein wichtiger Faktor, sagen Bundesinnungsmeisterin LIM, Bmst. Ing. Irene Wedl-Kogler und Bundesinnungsmeister-Stv. Komm.Rat Ernst Zimmermann im Gespräch mit ANKÖ-Geschäftsführer Dr. Alfred Jöchlinger. Dabei wünschen sich die Unternehmen aber mehr direkte Vergaben und eine höhere Transparenz bei den Auftraggebern.

 

Dr. Alfred Jöchlinger, ANKÖ: Wie wichtig sind öffentliche Aufträge für das Baunebengewerbe – also für Dachdecker, Spengler, Maler, Holzbau-Meister, Fliesenleger und Steinmetze um nur einige zu nennen?

Ing. Irene Wedl-Kogler: Prinzipiell sind öffentliche Aufträge sehr wichtig, es kommt aber auf die Größe und die Ausrichtung eines Unternehmens an. Kleinere Betriebe sind hauptsächlich im Privaten- oder im Gewerbebereich tätig.

Komm.Rat Ernst Zimmermann: Öffentliche Aufträge schaffen eine Grundauslastung und sind daher natürlich wichtig. Mit diesen Aufträgen können die Unternehmen also längerfristig planen.

ANKÖ: Positiv ist hier auch, dass die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand steigt, wie zuletzt kolportiert wurde. Merken Sie Verberesserungen?

Ing. Wedl-Kogler: Ich sehe bei öffentlichen Auftraggebern kein Problem bei der Zahlungsmoral. Bei meinen Gewerken geht es aber um keine großen Summen, aus anderen Bereichen hört man allerdings schon von Problemen.

Komm.Rat Zimmermann: Es wird tatsächlich besser. Das gilt aber nur bedingt für den Bund. Hier wird relativ spät bezahlt. Manchmal sogar erst dann, wenn eigentlich schon die nächste Teilrechnung fällig ist.

ANKÖ: Wie schätzen Sie den Markt in Ihren Branchen ein?

Komm.Rat Zimmermann: Der Aufwärtstrend geht weiter. Wir haben ausreichend Aufträge und erwarten, dass die Anfragen im Herbst relativ stark ansteigen werden.

Ing. Wedl-Kogler: Das kann ich unterstreichen. Heuer sehen wir ein deutliches Plus. Hier unterscheiden wir uns aber vom Bauhauptgewerbe, weil unsere Arbeit nachgelagert ist.

 

ANKÖ: Und welche Themen beschäftigen Sie aktuell am meisten?

Komm.Rat Zimmermann: Oft erleben wir die Situation, dass erfahrene Bauleiter ausscheiden und immer mehr Junge nachkommen, die kaum Erfahrung mitbringen, sich aber auch nichts sagen lassen. Darunter leidet die Qualität der Planung.

Ing. Wedl-Kogler: Die Qualität lässt nach, weil man fern der Praxis unterrichtet. Ideal wäre die Kombination von Praxis und einer theoretischen Ausbildung wie zum Beispiel einer HTL oder der TU. Probleme entstehen aber auch durch die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit: Monatelang gibt es Vorgespräche. Wenn es dann ernst wird und es zur praktischen Umsetzung kommt, muss alles sofort passieren. Die Planung muss schnell erfolgen und dann bekommt man Ausschreibungen hingeworfen, die nicht auf die Praxis abgestimmt sind. Zum Schluss sind die Ausfüllzeiten noch unrealistisch kurz. Uns beschäftigt aber noch ein weiteres Thema, das „Herüber-arbeiten“ aus den Nachbarländern. Dabei geht es oft um Lohn- und Sozialdumping. Das beschäftigt uns aktuell  und wird uns auch noch länger beschäftigen.

ANKÖ: Wir sehen die Bedeutung auch an unseren Statistiken. Heuer gab es bereits über 22.900 Zugriffe auf die LSD-BG Schnittstelle zum Kompetenzzentrum der Gebietskrankenkasse.

Komm.Rat Zimmermann: Das ist ein Thema. Ein anderes sind die steigenden Nachweispflichten. Wir müssen uns vor dem Auftraggeber quasi komplett ausziehen und alles offenlegen. Wir hingegen wissen nicht einmal, ob das Projekt durchfinanziert ist. Hier wäre wichtig, das System aus Deutschland zu übernehmen. Dort muss ein Bauvorhaben durchfinanziert und dies auch hinterlegt sein.

ANKÖ: Sie wünschen also mehr Verlässlichkeit vom Auftraggeber. Wie häufig bekommen Sie Aufträge direkt vom öffentlichen Auftraggeber im Vergleich zur Beauftragung durch Generalunternehmer?

Ing. Wedl-Kogler: Das kommt auf das Bundesland und die jeweilige Landesbaudirektionen an. Hauptsächlich sind wir aber als Subunternehmer tätig. Die Gemeinden hingegen vergeben oft nach Gewerken. Das ist ein Vorteil. Wir fordern daher auch, dass häufiger direkt vergeben wird und nur große Bauvorhaben an Generalunternehmer gehen. Also nur Baustellen, wo auch ein spezielles Wissen notwendig ist. Im normalen sozialen Wohnbau könnte man aber alles nach Gewerken vergeben. Die öffentliche Hand könnte hier leicht die Leistung  der Bauleitung bzw. die Baukoordination selbst erbringen.

ANKÖ: Und wie funktioniert es besser?

Ing. Wedl-Kogler: Ganz klar direkt. So kommen KMU leichter zu Aufträgen und die Problematik der Sub-Subvergaben in diesem Umfang wie jetzt würde es nicht mehr geben. Wenn in Einzelgewerken vergeben wird, könnte man fixieren, dass nur einzelne Leistungen an Subunternehmen vergeben werden dürfen. Dass zum Beispiel 80 Prozent vom beauftragten Unternehmen selbst erledigt werden müssen. Für die Allgemeinheit wären Direktvergaben zu befürworten.

 

ANKÖ: Das BVergG 2017 hat uns zuletzt sehr beschäftigt, wie beurteilen Sie den Prozess?

Komm.Rat Zimmermann: Unsere Vorstellungen sind leider nur minimal eingeflossen, zum Beispiel beim Thema Subunternehmer.

Ing. Wedl-Kogler: Das Gesetz lässt es zu, aber wir haben Alternativangebote abgelehnt. Der Auftraggeber soll entscheiden was er will und nach einer standardisierten Leistungsbeschreibung ausschreiben. Für KMU verursachen funktionale Ausschreibungen nämlich einen erhöhten Arbeitsaufwand bei der Erstellung. KMU haben die personellen Ressourcen dafür einfach nicht.  

ANKÖ: Wie ist das Verhältnis der Aufträge zu gelegten Angeboten in Ihren Branchen?

Komm.Rat Zimmermann: Früher bekamen wir bei etwa 40 Prozent der Angebote auch den Auftrag. Wenn wir heute auf 15 Prozent kommen, ist es schon viel. Das liegt auch an den elektronischen Werkzeugen. Auftragnehmer suchen häufiger und umfassender nach Aufträgen und geben schneller Angebote ab. Dann warten sie auf entsprechende Aufträge.

Ing. Wedl-Kogler: Ich bekomme 1.300 Anfragen im Jahr und lege 700 Angebote. Wenn ich zehn bis 15 % der Aufträge bekomme ist es viel. Aber man muss Angebote legen, um im Gespräch und in Erinnerung zu bleiben. 

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