Das große Interview mit Frau Dr. Daniela Strassl, MBA anlässlich Ihres Amtsantritts als ANKÖ Vorstandsvorsitzende. Lesen Sie hier spannende Gedanken zur Corona-Krise, zur Digitalisierung bei der Stadt Wien und inwiefern ZiviltechnikerInnen und technische PlanerInnen digitale Vorreiter sind.

Im Dezember 2019, zum 20-jährigen Jubiläum des 1999 gegründeten ANKÖ, des Auftragnehmerkataster Österreich, hat Frau Dr.in Daniela Strassl, MBA den Vorstandsvorsitz übernommen, die damit Frau Stadtbaudirektorin Dipl.-Ing.in Brigitte Jilka, MBA, ablöste, die von 2009 bis 2019 10 Jahre Vorstandsvorsitzende des ANKÖ war.

Anlässlich Ihres Amtsantritts hat der ANKÖ Frau Dr.in Daniela Strassl, MBA zum Interview eingeladen und zu aktuellen und generellen strategischen Themen befragt. 

Sehr geehrte Frau Obersenatsrätin Dr.in Strassl, Sie sind nach Ihrem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien in den Dienst der Stadt Wien eingetreten. Von 2004 bis 2011 waren Sie Direktorin von „Wiener Wohnen“ und sind seit 2011 Bereichsleiterin für Immobilienstrategie und zusätzlich seit Dezember 2019 Vorstandsvorsitzende des ANKÖ. Welche Funktionen sind von der Bereichsleitung Immobilienstrategie, Infrastrukturbedarfe (BII) zu erfüllen und wo sehen Sie eine mögliche Überschneidung zum Auftragnehmerkataster und seinen Funktionen?

Daniela Strassl:

Wir erarbeiten eine Gesamtübersicht der vorhandenen bzw. erforderlichen sozialen, technischen und grünen Infrastruktur. Damit stellen wir wesentliche Entscheidungsgrundlagen im Bereich der Stadtentwicklung zur Verfügung. Dazu kommt das strategische Immobilienmanagement der Stadt Wien, bei dem wir die Flächen- und Gebäuderessourcen der Stadt Wien koordinieren, und beratende bzw. koordinierende Aufgaben im Zuge von Standortentwicklungen haben. 

Seit ich die Funktion beim ANKÖ übernommen habe, sehe ich die Förderung des fairen öffentlichen Vergabewettbewerbes genauso als wichtige Tätigkeit wie auch die Unterstützung bei der Digitalisierung der Prozesse in diesem Bereich, insbesondere für kleinere Gemeinden, die aus der Corona-Krise Probleme haben, und auch nicht so häufig mit digitalen Vergabe-Portalen beschäftigt sind. Bei näherer Beschäftigung damit wird regelmäßig erkannt, wie kostengünstig und effektiv das ANKÖ-Vergabe-Systems ist, und es wird bleibend eingesetzt.

 

Sie erwähnten gerade die Corona-Krise, die in unterschiedlichsten Geschäftsgebieten zu einer vermehrten Nutzung digitaler Dienste geführt hat. Wie hat die Stadt Wien in Bezug auf den Digitalisierungs-Schub reagiert? 

Daniela Strassl:

Die Stadt Wien ist bei der Digitalisierung schon sehr weit. Wir sind daher generell und auch im Vergabebereich mit dem ANKÖ-System ohne Unterbrechung sehr gut durch die Krise gekommen. Manche Abteilungen der Stadt Wien haben noch nicht alle Schnittstellen zu anderen EDV-System gelöst. Bei Medienbrüchen muss zum Papier gegriffen werden. In der Krise wurden die damit verbundenen Probleme sofort spürbar: das Drucken, das händische Transportieren, die gesamte Trägheit des physischen Prozesses. 

Die Erfahrungen führen zur dringenden Empfehlung, alle Prozesse in der Vergabe zu digitalisieren, Medienbrüche zu vermeiden und auch die digitale Signatur zu verwenden. Das gilt auch auf der Unternehmensseite: Eine Geschäftsführerin kann überall auf der Welt unterwegs sein oder sich in Quarantäne befinden und dennoch ein Angebot unterschreiben und abgeben. Das ist nur durch die konsequente Digitalisierung möglich. 

Angebotsöffnungen, digitale Aufklärungsgespräche oder gar digitale Verhandlungen konnten durchgeführt werden. Hier hat sich aber auch gezeigt, dass es noch viel Potenzial in der Verknüpfung dieser Kommunikations-Tools mit der Vergabeplattform gäbe.

 

Welche Erfahrungen bleiben für Städte und Gemeinden?

Daniela Strassl:

Die Corona-Krise wird hoffentlich bald vorbei sein, aber bleiben wird sicherlich die Erkenntnis, dass die Digitalisierung notwendig ist und unaufhaltsam weitergehen wird. Wir möchten die Entwicklung dahingehend beeinflussen, dass sich dabei tatsächlich ein Mehrwert für die NutzerInnen einstellt, beispielsweise durch eine Flexibilisierung, die mit der fortschreitenden Globalisierung ohnehin immer wichtiger wird.

Viele haben schon erkannt, was digital funktioniert, funktioniert auch in einer solchen Krise weiter. Elektronische Verfahren. die im Oberschwellenbereich verpflichtend sind, konnten weitergeführt werden. Verfahren in Papierform mussten jedoch oft unterbrochen werden, weil Personen gar nicht vor Ort waren, oder erforderliche Abstände nicht eingehalten werden konnten. Dadurch wurde erkannt, dass eine gut funktionierende und unkomplizierte elektronische Vergabe ebenso leicht im Unterschwellenbereich angewendet werden kann, und das auch weniger träge funktioniert. Die logische Konsequenz war oft, in Zukunft alle Verfahren digital zu machen und auch im Unterschwellenbereich auf die e-Vergabe umzusteigen. 

 

Wie können Städte und Gemeinden dabei unterstützt werden?

Daniela Strassl:

Eine Investition in die Digitalisierung ist der richtige Weg, denn die Digitalisierung führt in der Regel zu nachhaltigen Effekten. Kleine Gemeinden tun sich bei Investitionen in der Digitalisierung möglicherweise schwerer und könnten ins Hintertreffen gelangen. Ein Milliardenpaket für Gemeinden, das die Finanzierungsausfälle der Gemeinden zumindest teilweise ausgleicht, kann hier Abhilfe schaffen und die Gemeinden fitter für kommende Krisen machen. Dabei sollte die Investition in die Digitalisierung auch eine Investition in die digitale Vergabe sein, in ein transparentes, faires System, in dem eine Investition nachhaltig angelegt ist und das Beschaffungen auch in Krisenzeiten ermöglicht. Die digitale Vergabe ist viel einfacher handzuhaben, als viele denken, und der ANKÖ hilft hier bei Fragen gerne weiter.

 

Frau Strassl, elektronische Vergaben verarbeiten Daten - birgt die Digitalisierung hier nicht besondere Risiken - Stichwort Datenschutz?

Daniela Strassl:

Selbstverständlich ist Datenschutz im Zuge der Digitalisierung unerlässlich, und die Datensicherheit hat allerhöchste Priorität. Sensible Daten sind entsprechend zu schützen und Schutzmaßnahmen sind ordnungsgemäß zu deklarieren und anzuwenden. Der ANKÖ ist ISO 27001 zertifiziert, einem der weltweit besten Informations-Zertifikate, das technische und organisatorische Maßnahmen samt Wirkungskontrolle betrachtet, und somit den höchsten Schutz von Daten und Informationen gewährleistet.

 

Stichwort Ziviltechniker und technische Planer. Inwiefern hilft die Digitalisierung dieser Gruppe?

Daniela Strassl:

ZiviltechnikerInnen (ZT) und technische PlanerInnen haben viele Kompetenzen, und nehmen bei vielen Dingen eine Vorreiterrolle ein. In der Branche ist derzeit vieles im Umbruch. BIM (Building Information Modeling) ist nicht nur dreidimensionales Zeichnen, sondern bedeutet eine Neuordnung und Digitalisierung der Prozesse. Dabei sollte die Digitalisierung der angrenzenden Prozesse nicht vergessen werden, um wirklich zukunftsfit zu bleiben.

ZiviltechnikerInnen könnten dadurch wieder mehr für die Verfahrensbetreuung zuständig werden. Besonders jene, die die Grundlagen der Vergabe, eben die Planungsunterlagen, liefern, können vermehrt jenen unter die Arme greifen, die sich damit nicht so gut auskennen.

Im Vergleich zum Baubereich gibt es in diesem Marktsegment einen größeren Anteil an Vergabeverfahren ohne vorherige Bekanntmachung. Eine Eintragung in die Liste geeigneter Unternehmen des ANKÖ vereinfacht dabei nicht nur den Nachweis der Eignung, die Präsenz zeigt gegenüber den Auftraggebern auch das Interesse an öffentlichen Aufträgen. Wenn man nicht in der Liste eingetragen ist, kann man vom suchenden Auftraggeber nicht gefunden werden.

 

Zum Abschluss die Frage: Worin sehen Sie den Hauptvorteil des ANKÖ?

Daniela Strassl:

Der ANKÖ ist ein auf das wesentliche reduzierter Komplettanbieter, der sich besonders auf die Bedürfnisse der öffentlichen Auftraggeber konzentriert. Da sind Systeme wie ELAK (Elektronischer Akt) oder SAP meist schon eingeführt. Hier gilt es über Schnittstellen anzudocken, ohne mit diesen Systemen konkurrieren zu wollen. Die daraus resultierenden Kostenvorteile sowie die hohe Nutzerfreundlichkeit und einfache Bedienbarkeit der Produkte haben wohl zur Marktführerschaft von ANKÖ in der e-Vergabe geführt, hilfreich ist auch, dass es im Handling an bereits gelernte Systeme anlehnt. Der ANKÖ wird sich auf diesem Erfolg jedoch nicht ausruhen. Er sieht es als seinen Auftrag, die angebotenen Produkte weiterzudenken und deren Möglichkeiten auszuweiten, wie dies beispielsweise bei der Liste geeigneter Unternehmen in Kürze bevorsteht. 

Frau Strassl, vielen Dank für das Gespräch.

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